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Eine nützliche Illusion

Rafael Horvat

Rafael Horvat


Ein Foto aufzubewahren scheint einfach. Wir speichern es und gehen davon aus, dass es später noch da ist. Vom vergangenen Moment bleibt etwas, zu dem wir zurückkehren können. So stellen wir uns oft auch Erinnerungen vor: abgelegt und bei Bedarf wieder abrufbar.

Mich interessiert, wie schnell aus «gespeichert» ein «erledigt» wird. Solange wir uns auf das Ergebnis verlassen können, verlieren wir leicht aus dem Blick, was es überhaupt ermöglicht. Diesen Eindruck nenne ich die Illusion der Beständigkeit. Sie hilft uns, mit vielem zurechtzukommen. Gleichzeitig kann sie verdecken, was unsere Entscheidungen später noch von uns verlangen.

Wie Daten erhalten bleiben

ROM steht für Read-only Memory. Solche Speicher lassen sich im normalen Betrieb auslesen, aber nicht verändern. Nichtflüchtige Speicher behalten ihre Daten auch ohne Stromversorgung.[1] Auf solche Eigenschaften können wir uns verlassen, ohne ständig selbst eingreifen zu müssen. Was dahintersteckt, wird deutlicher, wenn wir uns die Technik ansehen.

DRAM, eine verbreitete Form des Arbeitsspeichers, hält Daten als elektrische Ladungen in Kondensatoren fest. Weil Ladung verloren geht, müssen die Speicherzustände regelmässig aufgefrischt werden.[2] Flash-Speicher behält Daten auch ohne Strom. Bei Bauformen mit Floating-Gate-Zellen kann die eingeschlossene Ladung allerdings mit der Zeit entweichen. Wie lange Daten erhalten bleiben, hängt unter anderem von Temperatur, Verschleiss und dem jeweiligen Bauteil ab.[3]

Gerade DRAM zeigt den scheinbaren Widerspruch: Damit die Daten gleich bleiben, muss im Hintergrund ständig etwas geschehen. Die Beständigkeit, auf die wir uns verlassen, ist also an Bedingungen gebunden. Wir nutzen das verlässliche Ergebnis und können dabei leicht vergessen, was es erhält.

Wenn ich an einem Text sitze, will ich speichern und weiterschreiben. Ich möchte mich auf meine Gedanken konzentrieren können. Darum überlasse ich diese Details der Hard- und Software. Diese Vereinfachung ermöglicht uns, zu rechnen, Abläufe zu automatisieren und auf bereits geleisteter Arbeit aufzubauen.

Nur ist mit der gespeicherten Datei noch längst nicht alles erledigt. Ich kann ein Foto behalten und trotzdem nicht mehr wissen, wo es liegt, warum ich es aufgehoben habe oder was es mir heute bedeutet. Das Speichern nimmt mir einen Teil der Arbeit ab. Wie ich mit dem Aufbewahrten umgehe, bleibt offen.

Was wir für selbstverständlich halten

Wenn wir ein altes Foto ansehen, bringen wir auch das mit, was wir inzwischen erlebt haben. Vielleicht erkennen wir heute etwas, das uns damals entgangen ist. Das Bild kann dasselbe bleiben und für uns doch etwas anderes bedeuten. Erinnern geschieht in der Gegenwart. Manchmal behandeln wir unsere damalige Sicht aber so, als wäre sie im Bild mitgespeichert.

Aus einem lächelnden Gesicht auf einem Foto schliesse ich vielleicht, dass die Person glücklich war. Zu sehen ist zunächst das Lächeln; die Aussage über ihr Erleben stammt von mir. Rationales Denken hilft, solche Deutungen an den verfügbaren Hinweisen zu prüfen. Hinweise zu ignorieren, weil sie nicht zur eigenen Überzeugung passen, wäre irrational.

Mit «postrational» meine ich die Bereitschaft, auch eine vertraute Erklärung wieder infrage zu stellen, ohne auf ihren Nutzen zu verzichten. Schon mit der Frage, ob es neben «rational» und «irrational» noch etwas gibt, prüfen wir auch diese Einteilung. Wenn uns etwas widersprüchlich erscheint, können wir untersuchen, was unsere Betrachtungsweise ausblendet, bevor wir eine Seite für falsch erklären.

Auch bei unseren technischen Entscheidungen lohnt sich diese Aufmerksamkeit. Selbst wenn eine Lösung funktioniert, bleibt zu klären, wie wir sie nutzen wollen und welchen Aufwand wir dauerhaft übernehmen möchten. Halten wir eine Lösung schon deshalb für endgültig, weil sie funktioniert, holen uns diese Fragen später leicht wieder ein.

Was das im Alltag bedeutet

Ein Handy voller Fotos macht das greifbar. Du wolltest fotografieren, und das Gerät hat die Bilder behalten. Jetzt musst du auswählen, was wegkann, wohin die übrigen Fotos sollen und ob sie dort sicher sind. Aus dem einfachen Wunsch, etwas festzuhalten, werden Entscheidungen, die du vielleicht gar nicht eingeplant hattest.

Im Postfach sammeln sich unterdessen Rechnungen, Newsletter, automatische Meldungen und Nachrichten von Menschen, denen du antworten möchtest. Allein herauszufinden, was wirklich Aufmerksamkeit braucht, wird mühsam. Und während du versuchst aufzuholen, kommt weiter Neues dazu.

Es kann also alles noch da sein und trotzdem immer schwerer werden, damit umzugehen. Wer «aufbewahrt» mit «erledigt» gleichsetzt, übersieht das Sortieren, Wiederfinden und Entscheiden. Mehr Speicherplatz hilft gegen Platzmangel. Er beantwortet aber nicht, was wir mit dem anfangen wollen, das weiter dazukommt.

In Gesprächen höre ich oft, man müsse eine Website haben, täglich seine Mails prüfen oder sich schon wieder in ein neues Programm einarbeiten. Wenn daraus Arbeit wird, die uns kaum noch etwas bringt, dürfen wir auch die Anforderung selbst infrage stellen.

Weniger Aufwand im Alltag

Aufräumen verschafft erst einmal Luft. Die Frage ist, wie viel Arbeit danach wieder entsteht und wie wir sie verringern können.

Für die Fotos braucht es einen verlässlichen Platz und eine Möglichkeit, sie wiederzufinden. Ausserdem solltest du wissen, wann du sie vom Handy löschen kannst, ohne sie zu verlieren. Bei E-Mails beginnt es mit der Entscheidung, welche Nachrichten Aufmerksamkeit verdienen, welche sich bündeln lassen und welche du gar nicht mehr bekommen möchtest. Erst mit diesen Entscheidungen wissen wir, was die Werkzeuge für uns übernehmen sollen.

Passende Filterregeln können dann einen Teil der Mails automatisch sortieren. Damit sich das lohnt, müssen auch das Einrichten und die spätere Kontrolle in die Rechnung eingehen.

Du solltest ausserdem verstehen, wie deine Abläufe eingerichtet sind: wo die Daten liegen, was automatisch passiert und was du selbst ändern kannst. So kannst du die Lösung anpassen, wenn sich dein Leben verändert, statt dich dauerhaft nach einer einmal getroffenen Entscheidung zu richten.

Gemeinsam daran arbeiten

Mit Heartkemy Agency möchte ich dir helfen, mit der Technik in deinem Alltag besser zurechtzukommen. Dazu gehören passende Werkzeuge und das Wissen, das du brauchst, um selbst sinnvolle Entscheidungen zu treffen. Das kann bedeuten, ein besser passendes Werkzeug zu finden oder eine Anforderung zu hinterfragen, die du seit Jahren zu erfüllen versuchst.

Wenn bei dir etwas liegen bleibt, immer mehr Aufwand macht oder dich ausbremst, können wir es uns in einer kostenpflichtigen Beratung von 90 Minuten gemeinsam ansehen. Du musst nicht schon wissen, wo das Problem liegt. Wir gehen von deiner Situation aus, klären die Möglichkeiten und suchen einen einfacheren Weg, der zu deinem Leben passt.

Ich bin Rafael. Mehr über die Zusammenarbeit findest du bei Heartkemy Agency.

  1. IEEE, Read-only Memory, Definition und Speicherarten.
  2. Samsung, DRAM, Speicherung in Kondensatoren und regelmässige Auffrischung.
  3. Renesas, NOR Flash – Data Retention and Endurance, Abschnitt 3, Datenerhalt in NOR-Flash mit Floating-Gate-Zellen.