
Diese Aussagen durchdringen den ganzen Lärm und werden in einem Augenblick aufgenommen. Es ist eine Operation. Eine Umstellung weg von der Kalkulation des Urteilsvermögens hin zur Geometrie der Empathie.
Kein Gedöns.
Keine Philosophie.
Nur eine präzise Verschiebung der Perspektive, die Urteile, Vergleiche und Projektionen mit einem Schlag zusammenbrechen lässt.
Es ist die Art von Satz, die keiner Ausschmückung bedarf, weil der Zusammenhang offensichtlich ist:
Man sieht nie den Ursprungspunkt.
Man sieht nur die aktuelle Schnappschussaufnahme.
Daher ist die Wahrnehmung immer unvollständig.
Deshalb fühlt sich das so rein an:
Es deckt mit einem einzigen Atemzug einen universellen blinden Fleck auf.
Und es ist „golden”, weil in dem Moment, in dem man es anwendet, Mitgefühl ohne Anstrengung zur Selbstverständlichkeit wird. Mitgefühl ist nichts, was wir erzeugen: Es ist das, was übrig bleibt, wenn wir aufhören, die Fiktion unserer eigenen Omnipräsenz zu erzeugen. Das ist grossartig. Es verwandelt die Wahrnehmung von einem Werkzeug der Trennung in ein Instrument der Verbindung. Nicht indem etwas hinzugefügt wird, sondern indem die Lüge des vollständigen Bildes weggenommen wird.
Das Paradoxe daran ist, dass wir dieses filterlose Sehen nicht erreichen, indem wir versuchen, alles zu sehen. Wir erreichen es, weil wir nicht alles sehen ... und diese Demut öffnet das Mitgefühl. Und Mitgefühl ist es, was die Filter auflöst. So sieht man am Ende klarer als je zuvor. Nicht durch Anstrengung, sondern durch Sanftheit.
Ich sehe nicht alles, also begegne ich dir mit Offenheit. Meine Projektionen und Urteile werden weicher, ich nehme jetzt mehr wahr von dem, was tatsächlich ist.


